Obstbaumveredelung mit Aufpfropfen eines Edelreises
Der Kurs am Samstag, den 18. April fand auf dem Vereinsgelände des OGV Eisingen im Näheren Schöntal statt. Pünktlich um 14 Uhr – und bei strahlendem Sonnenschein – konnte unser 1. Vorsitzender Ulrich Hauser den Experten Harry Faaß und 15 Teilnehmer begrüßen.
Die Veredelung ist bei uns eine jahrhundertealte Technik, um Sorteneigenschaften wie Geschmack und Ertrag der Obstsorte exakt weiterzugeben. Harry Faaß erklärte, dass dies aber bereits vor 4.000 Jahren von den Chinesen entdeckt und entwickelt wurde.
Anhand ganz praktischer Beispiele erklärte er die verschiedenen Methoden.
Die Veredelung von Apfelbäumen ermöglicht es, die gewünschten Eigenschaften einer bestimmten Apfelsorte auf einen Baum zu übertragen. Der ideale Zeitpunkt dafür hängt von der gewählten Technik und den klimatischen Bedingungen ab. Grundsätzlich bieten sich zwei Jahreszeiten an – der Winter und der Sommer.
Die Winterveredelung findet idealerweise zwischen Dezember und März statt. In dieser Ruhephase der Pflanzen ist die Veredelung durch bestimmte Techniken wie die Kopulation besonders erfolgversprechend. Sie ist geeignet für Reiser und Unterlagen mit identischem Durchmesser. Beide Teile werden schräg angeschnitten, um eine möglichst große Schnittfläche zu erzeugen, die dann genau aufeinander passt. Die Edelreiser werden im Idealfall bereits Ende Dezember gesammelt und bis zur Verwendung kühl und feucht gelagert.
Die sommerlichen Veredelungsmethoden nutzen die weiche und flexible Rinde, um eine erfolgreiche Verbindung zwischen Unterlage und Edelreis oder Edelauge zu gewährleisten.
Harry Faaß zeigte die unterschiedlichen Methoden, die die Teilnehmer später auch üben konnten.
Bei der Okulation wird ein einzelnes Knospenauge in die Unterlage eingesetzt. Dazu wird ein T-Schnitt in die Rinde der Unterlage gemacht, um das Edelauge unter die Rinde zu schieben. Diese Technik erfordert allerdings schon etwas Übung.
Die Chip-Veredelung ist eine Variante der Okulation, bei der statt des Einführens eines Auges unter die Rinde, ein entsprechendes Stück Rinde mitsamt dem Auge aus dem Edelreis ausgeschnitten und in eine passende Kerbe in der Unterlage eingepasst wird.
Das Pfropfen hinter die Rinde setzt voraus, dass die Rinde der Unterlage gelöst ist, um ein Edelreis mit einer Länge von etwa 5 cm dahinter einzufügen. Dabei ist eine gründliche Anpassung der Schnittstellen wichtig, um das Verwachsen zu erleichtern.
Die nachfolgenden Bilder zeigen diese Methode. Auf Wunsch der Teilnehmer wurde ein Reis der Apfelsorte Topas zum Einpfropfen gewählt. 
Harry Faaß wies darauf hin, dass man unabhängig vom gewählten Zeitpunkt auf regenfreies Wetter achten sollte, denn so minimiert man das Risiko einer Infektion an den frischen Schnittstellen. Und wir hatten ideale Bedingungen.
Nach interessierten Fragen und einigen Übungsversuchen tauschte man sich noch im Vereinsheim bei Kaffee und Kuchen oder einem Bier aus.
Den Teilnehmern wünschen wir viel Erfolg beim Umsetzen der Veredelungstechniken.
Euer OGV Eisingen e.V.
ogv/vf

